In den letzten Tagen hat der Skandal von Prato in Italien für viel Aufmerksamkeit gesorgt.
Kleidungsstücke, die als Made in Italy – manchmal sogar als Made in Europe – verkauft wurden, dabei aber unter Bedingungen hergestellt wurden, die nichts mit dem Bild zu tun haben, das diese Bezeichnungen vermitteln.
Was diese Affäre vor allem in Erinnerung ruft, ist, dass Made in Europe nicht automatisch für eine verantwortungsvolle Produktion steht. Das Etikett beruhigt, aber es erzählt nicht alles.
Auch in Europa gibt es Ketten von Subunternehmern, schwer nachvollziehbare Werkstätten, starken Preisdruck und Arbeitsbedingungen, die für die Endkundin unsichtbar bleiben. Das ist unangenehm zu hören, aber es ist Realität.
Bei Maison Colette haben wir eine sehr klare Entscheidung getroffen.
Unsere Stücke werden im Vully hergestellt, ohne Subunternehmer. Sollte die Arbeitslast eines Tages zu groß werden, würden wir auf lokale Unteraufträge in der Schweiz zurückgreifen und dabei denselben Ansprüchen treu bleiben: respektvolle Arbeits- und Entlohnungsbedingungen, im Einklang mit unseren Werten.
So zu produzieren erfordert mehr Zeit, mehr Organisation und bedeutet manchmal, auf gewisse Vereinfachungen zu verzichten. Es ermöglicht jedoch etwas Wesentliches: genau zu wissen, wo, wie und von wem jedes einzelne Stück gefertigt wird.
Für uns reicht ein Etikett nicht aus. Es sind die konkreten Praktiken, die zählen.
Der Skandal von Prato ist nicht einfach eine weitere Episode in der Modeindustrie. Er ist eine wichtige Erinnerung daran, über Bezeichnungen hinauszuschauen, Fragen zu stellen und die Produktionsbedingungen wieder ins Zentrum zu rücken.
Colette
Bildnachweis: www.slon.pics